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Erntezeit – in zwei Gärten

Es gibt Zeiten, da beneide ich unsere Bauern; denn im Gegensatz zu meiner Arbeit sehen die Bauern, was sie gearbeitet und geleistet haben. Sie „ernten“ im Herbst die Früchte ihrer Arbeit. Darum beneide ich sie, wo ich die Früchte meiner Arbeit oft nicht sehen kann oder niemals zu sehen bekomme. Aber in diesem Jahr hätte ich kein Bauer sein wollen. Kaum oder gar kein Regen, die Zuckerrüben so groß wie Tennisbälle; verdorrte Felder und vertrocknete Wiesen wo man hinblickt. Egal wie sich unsere Bauern abmühten, am Wetter konnten sie nichts ändern. Also: Keine Früchte – trotz der vielen Arbeit und Kraft.
Ja, manchmal geht es mir so:
Da mühe ich mich ab, überlege, plane, gestalte… aber es will einfach kein Regen fallen. Dann frage ich mich, warum auf manches eigentlich kein Wasser fallen wollte; warum manches trotz aller Mühe nicht gewach-sen ist und

vergebene
Lebensmühe

war. Wenn ich über die nichtgewachsenen Früchte meiner Lebensmühe nachdenke, dann fällt mir die Geschichte von den zwei Gärten ein (von einem unbekannten Autor):

Ein Mann kam in ein Dort, von dem gesagt wurde, dass es dort die wunderschönsten Gärten geben sollte. Der Mann, mit seinem eigenen Garten unzufrieden, traf am Eingang des Dorfes einen alten Mann. Diesen fragte der Mann, ob er ihm nicht einen der besonders schönen Gärten des Dorfes zeigen könne.
Der alte Mann rief einen seiner Söhne herbei, der den Mann zu einem Garten brachte. „Die Gartenpforte muss erneuert werden.“ sagte der Sohn. „Und das Unkraut wuchert durch die Gartenwege.“ Vor einem Rosenbusch sagte der Sohn: „Alles voller Blattläuse. Und das
Gestrüpp dort an der Mauer wird auch bald eingehen.“ Der Sohn zeigte dem Mann noch so                                  man-                                    ches,                                     was                                      nicht in                                  Ordnung                                  war.