Textfeld: Seite #

Liebe Gemeinde!

Es war mal wieder geschafft: Das Mittagessen

steht auf dem Tisch und die Familie sitzt drum

herum. ,,Können wir dann beten?“, lädt die

Mutter zum Tischgebet ein. Die dreijährige

Tochter, fragt dazwischen: „Warum beten wir

eigentlich?“ die Mutter überlegt kurz: ,,Wir

wollen Gott Danke sagen, dass er uns alles gibt,

das Essen und so.“ - Darauf die Kleine: ,,Aber

Mama, du hast doch gekocht.“

Damit hat sie die Frage auf den Punkt gebracht:

Wozu noch beten in einer Welt, in der alles

machbar erscheint. Die Lebensmittel werden

produziert, sie brauchen nur noch im Supermarkt

gekauft zu werden. Das Geld dafür wird durch

Arbeit verdient, unsere Kleider werden in

Fabriken gewebt und genäht, unsere Häuser werden von Bauarbeitern und Handwerkern errichtet. Die Wachstumsprozesse in der Natur sind wissenschaftlich fast restlos erklärt, in den Reagenzgläsern der Forscher werden neue Organismen hergestellt. Was noch nicht von Menschen gemacht wird, erscheint doch bald machbar. Gott wird mehr und mehr aus unserem Denken und aus unserem Alltag verdrängt.

Da ist es gut, dass wir Anfang Oktober das Erntedankfest feiern. Auch wenn viele von uns inzwischen wenig Bezug zur Ernte haben, ich halte das für ein wichtiges Fest. Erntedank - das ist ein Fest gegen den Machbarkeitswahn. Es ist ein Anlass, dass wir uns wieder bewusst werden: Wir leben letzten Endes von dem, was Gott uns schenkt. Unser Leben, die Natur um uns und die Menschen in unsrer Umgebung - alles haben wir Gott zu verdanken. Nicht vom Machen leben wir, das Entscheidende empfangen wir. Oder, wie es in dem alten Erntedanklied von Matthias Claudius heißt: ,,Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott.“

Es geht durch unsre Hände - diese Worte kommen mir manchmal in den Sinn: wenn ich an die vielen Umweltprobleme und den Klimawandel denke. Immer wieder zeigt sich, was dabei herauskommen kann, wenn Gottes gute Schöpfung durch unsere Hände geht.