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Zwischen Karfreitag und Ostern

Es wird Frühling. Und in der Ukraine herrscht Krieg! Da kommt es mir ehrlichgesagt ein bisschen unwirklich vor, dass die Sonne schon so kräftig scheint und die Knospen an den Sträuchern schon deutlich sichtbar sind.
Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit, sich zu freuen, dass der Winter zu Ende geht, die Tage wieder länger werden und so manche Corona-Auflagen wieder gelockert werden können. Doch: Das ist heuer anders. Der Krieg, den wir sonst in ferne Länder wie Syrien oder den Jemen verbannt haben, ist uns ganz nahegekommen. Und ich frage mich: Was soll das? Hat uns
das Corona nicht schon gereicht? Wie kann es da jetzt auch noch Ostern werden?
Aber: Ostern kommt trotzdem! Ob Corona unser Leben bestimmte oder andere Krisen; es wurde schon immer Ostern. Ostern kommt – immer. Damit es Ostern werden kann braucht es auch immer den Karfreitag, den Tag der Kreuzigung Jesu; ein Tag, an der auch wir zum Himmel schreien können „Vater, warum hast du mich verlassen!“ Diese und andere Gebets-Schreie sind wichtig und notwendig, damit es wirklich Ostern werden kann – damit es nicht bei der Unwirklichkeit bleibt, sondern Ostern zu unserer Wirklichkeit
werden kann.
Ich meine, wir leben – schon immer – in einer Welt zwischen Karfreitag und Ostern. Der Karfreitag ist ein Tag der Trauer. Das Wort „Kar“ stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet „Trauer“, „Klage“; in unserer Zeit vielleicht auch „Krise“. Denn mit Jesus ist nicht nur ein besonderer Mensch gestorben, mit ihm werden auch alle Hoffnungen auf Heilung, auf Zuspruch, auf Gerechtigkeit, auf Krisenbewältigung an das Kreuz von Golgatha geschlagen. Alleingelassen, verlacht und verspottet stirbt diese Hoffnung.